Free Network News

LG Berlin: Dritter Erfolg vor Gericht für Freifunk?

Freifunk statt Angst -

Das LG Berlin hat am 30.6.2015 ein Urteil in einem Verfahren gesprochen, in dem es um die Haftung eines Freifunkers für seinen WLAN-Knoten ging (LG Berlin, Urt. v. 30.6.2015 – 15 0 558/14 – Volltext). Grundlage des Rechtsstreits war die negative Feststellungsklage eines Freifunkers, der zuvor wegen des angeblichen Angebots des Downloads eines Films abgemahnt […]

LG Berlin: Zuverlässigkeit der IP-Adressermittlung und Darlegungslast – Guardaley

Freifunk statt Angst -

Das LG Berlin hat in einem von einem Freifunker angestrengten Verfahren folgendes Urteil gefällt (Crosspost von Offene Netze und Recht, kurze Besprechung dazu hier): LG Berlin, 30.6.2015 – 15 0 558/14 Leitsätze: Die Beweislast für die richtige Ermittlung der IP-Adresse sowie für die korrekte Zuordnung zu einem bestimmten Internetanschluss aus angeboten wurde, obliegt dem Rechteinhaber. […]

Warum bekommen nicht alle Freifunk?

Freifunk Blog -

Liebe freifunkas und Interessierte,

via freifunk.net erreichte uns folgende Anfrage und ich möchte meine Antwort dazu gern mit Euch teilen …

Anfrage:
Sehr geehrte Damen und Herren,
wie ich erfahren hatte, werden Flüchtlingen in den Heimen kostenloses Internet zur Verfügung gestellt, was ich für gut empfinde. Leider werden aber einige Personengruppen ausgeschlossen, de ebenfalls den Kontakt nach draußen suchen. Z. B. in Pflegeheimen, Sozialhilfeempängern, und Menschen die in Obdachlosenheimen sind. Bekommen Die Menschen ein kostenlosen Internet zur Verfügung gestellt? Es gibt viele Altenheime, wo die betroffenen keinen Kontakt nach draußen haben und der einzige Möglichkeit ein freies WLAN das noch auch kostenlos nicht bekommen. Der Sozialhilfeträger würde sowas nicht unterstützen. Es gibt viele Sozalhilfempfänger und Personen die  Grundsicherung bekommen. Diese Personengruppen sollten ebenfalls die Möglichkeit erhalten ein kostenlosen Internet zu ermöglichen. Gleiches Recht für alle. Ich bitte Sie auch diesen Personengruppen ein kostenloses Internet zu ermöglichen.
Mit freundliche Grüßen

Antwort:
Hallo ...,
Freifunk steht allen zur Nutzung offen :) Es ist ein Gemeinschafts- und Mitmachnetz, siehe http://blog.freifunk.net/2015/memorandum-understanding

Es wurden bereits auch Seniorenheime, Schulen, Unis und Jugendeinrichtungen, Rathäuser vernetzt … Leider ist die Überzeugungsarbeit und die Gespräche mit Verwaltungen und Betreibern oft mühsam. Diese haben oft Vorbehalte gegenüber neutralen Internetangeboten und Bedenken wegen womöglicher Haftung, deshalb kämpfen wir gegen die Störerhaftung, siehe http://freifunkstattangst.de/

Wir sind der Meinung neutraler Access ist ein Menschenrecht und leitet sich aus vielen unserer Grundrechte ab. Die Verantwortlichen aus Politik und Verwaltung sollten entsprechende Gesetze verabschieden.

Wir sind dezentrale Gruppen von Freiwilligen, die natürlich die Versäumnisse von Heimbetreibern und (öffentlichen oder privaten) Einrichtungen nicht komplett ausgleichen können. Aber je mehr Menschen sich beteiligen, um so mehr Freifunk wird es geben. Über community.freifunk.net kann jede_r Kontakt zu den lokalen Gruppen suchen und sich selbst einbringen.

Es ist nicht so, dass das nichts kostet … Richtig ist, dass sich Freifunkas und Unterstützer die Kosten gemeinschaftlich teilen und Strom, Internetzugang, VPN Tunnel (wegen der Störerhaftung) und Geräte auf eigene Kosten zur Verfügung stellen.

Nach meiner Meinung sollte für Sozialhilfeempfänger statt Fernsehen lieber der Internetzugang gesponsert werden, dort ist auch Fernsehen möglich dank der (durch die GEZ finanzierten) Mediatheken der öffentlich-rechtlichen Sender. Darüber hinaus kann mensch sich weiterbilden, informieren, mit anderen kommunizieren, usw.

Eine Petition, um das Recht auf Zugang für alle zu etablieren, würden wir sofort unterstützen.

Viele Grüße, Monic

Vorratsdatenspeicherung: EU-Kommission muss Einführung in Deutschland stoppen

Freifunk statt Angst -

In einem gestern versandten Schreiben ruft der Digitale Gesellschaft e.V. die EU-Kommission dazu auf, den Gesetzentwurf der Bundesregierung zur Wiedereinführung der Vorratsdatenspeicherung in Deutschland zu stoppen. Das Vorhaben verstößt nach Ansicht des Vereins gegen ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs vom April 2014, in dem die verdachtsunabhängige Bevorratung von Verkehrs- und Standortdaten aus der elektronischen Kommunikation […]

Vorratsdatenspeicherung auf BR2 radioWissen

Freifunk statt Angst -

In der Sendung vom 10.7. behandelt radioWissen das Thema Vorratsdatenspeicherung. Unter dem Titel “Unter Verdacht” werden unterschiedliche Aspekte besprochen. Dabei wurden mehrere Beiträge produziert, die ihr im Netz nachhören könnt: Vorratsdatenspeicherung Sicher ist sicher Die Vorratsdatenspeicherung wird heftig diskutiert. Ist sie ein probates Mittel zur Verbrechensbekämpfung oder schlichtweg nur eine Verletzung des Datenschutzes? Autor: Martin Schramm […]

Neuregelung zur WLAN-Störerhaftung: NGOs appellieren an EU-Kommission

Freifunk statt Angst -

Mit einem gemeinsamen Schreiben an die EU-Kommission vom heutigen Tage haben sich die drei Organisationen Digitale Gesellschaft e.V., Förderverein Freie Netzwerke e.V. und Verbraucherzentrale Bundesverband e.V. offen gegen die durch die Bundesregierung angestrebten Änderungen im Telemediengesetz ausgesprochen und bitten die EU bei der Durchführung des Notifizierungsverfahrens um eine Korrektur. Nach Ansicht der unterzeichnenden Organisationen verstößt […]

Abmahnung gegen Freifunker: Termin am Landgericht Berlin am 30.6.2015

Freifunk statt Angst -

Auf Grund der WLAN-Störerhaftung kommt es immer wieder zu Abmahnungen von Privatpersonen, die ihren Internetzugang über WLAN anderen zur Verfügung stellen. Mit einem exemplarischen Fall wird nun versucht für Freifunker und Freifunkerinnen auch ohne VPN Rechtssicherheit zu schaffen. Was ist bisher passiert? Die WVG Medien GmbH, vertreten durch die Kanzlei Sasse & Partner, mahnt im […]

Neuer TMG-Entwurf zur Notifizierung an die EU: Noch immer keine Rechtssicherheit, WLAN-Störerhaftung bleibt

Freifunk statt Angst -

Die Bundesregierung hat gestern eine überarbeitete Version zur Neuregelung der WLAN-Störerhaftung und des Telemediengesetzes an die EU zur Notifizierung geschickt. Wie man in Deutschland rechtsicher offenes Wlan anbieten kann, bleibt nach dem Entwurf leider weiterhin völlig unklar. Der Entwurf ist somit kein wirklicher Fortschritt. Nach einer ersten Sichtung muss die Kritik größtenteils bestehen bleiben. Der […]

Improve authentication forms

Confine -

(By tanzer in Confine@Funkfeuer.)

During the development of the dashboard, I adapted the login form to the visual style of the dashboard. Unfortunately, this resulted in the loss of notifications, e.g., after a password reset there should be a notification telling the user that an email was sent to the account with a temporary password. At the Nodedb workshop in Graz, the missing notification triggered a bug report.

Last week, I looked into this and worked on several areas in need of improvement:

Undo for object deletion

Confine -

(By tanzer in Confine@Funkfeuer.)

During the first telecon with Graz, the

You asked for it, you got it

nature of the dashboard’s delete button got some deserved critique.

To improve the situation, in May I implemented undo for object deletion. Now, the dashboard — as well as the admin interface — shows an undo button that allows graceful restoration of the deleted object and all its dependents. The undo information is bound to the DOM: reloading the page or expiry of the session will lose the undo button.

After the Nodedb workshop in Graz, I fixed the permissions for the undo resource to allow the perpetrator of a delete the corresponding undo.

Internally, the framework stores all change information in the database. At the moment, there is no UI for accessing the changes. Last week we talked about adding a UI for changes, that would allow to undo those changes for which there are no later change for the change’s object.

nodedb workshop in Graz

Confine -

(By aaron in Confine@Funkfeuer.)

Ralf, Christian and me travelled to Graz and made a workshop on the new nodeDB. Feedback was very helpful. We have lots of new issues in github, new ideas for the UI, etc. We also explained the nodeDB API and the conversion mechanisms between old nodedb and new one.

two new chapters

Confine -

(By Confine@Funkfeuer in Confine@Funkfeuer.)

Hi All,

This chapter had been a stump. It has been substantially reworked and enlarged and has received the new title
Free Networks Between Countryside and City, between North and South
The second part is completely new and contains an interview with Confine open-call-participant Carlos Rey-Moreno, Western Cape University
http://www.thenextlayer.org/node/1306

This chapter had perviously been part of another chapter. It has been substantially reworked and expanded. The chapter “The Incomplete Paradigm Shift” is now the political and historical contextualisation of the wireless community network movement.
http://www.thenextlayer.org/node/1324

With those two new chapters, the work has been more or less concluded. I aim at writing a very short kind of coda or afterword. The conclusions as such already exists, but I want to write one or two pages as a kind of summary of the summary. Maybe it will not be possible to write that in the remaining time in May but it will be done. I will also now start from the start to make corrections, add references/footnotes and links and will consider feedback received or yet to be received for smaller changes within chapters, but this is it as far as the larger structure is concerned.

I would be happy if more participants in the Confine project read this draft book. After all, the idea was to put it online in order to receive feedback, to co-write it, so to speak, with the community.

If I have learned anything from this project, then  it is all about communication.
Greetings to all and keep unwiring the world
Armin

 

Die Vorratsdatenspeicherung bedroht die Freifunk-Idee

Freifunk statt Angst -

Noch vor ein paar Monaten verkündete Vize-Kanzler und Bundeswirtschaftsminister Gabriel (SPD) bei der Veröffentlichung einer Neuregelung des Telemediengesetzes (TMG) einen “Schub für kostenloses WLAN“. Bei genauerer Betrachtung des Entwurfs stellte sich schnell heraus, dass die Konsequenzen eines solchen Gesetzes zum Gegenteil führen würden: Noch mehr Rechtsunsicherheit und definitiv kein Schub für WLAN in Deutschland. Der […]

Towards the Network Commons (Conclusions)

Confine -

(By Confine@Funkfeuer in Confine@Funkfeuer.)

Hi All, this is for the time being the last chapter of my draft book on the network commons (I will now return to previous chapters and revise them) This draft chapter summarizes my findings. Based on a recent trip to Germany, where vibrant new communities have triggered discussions about what makes the essence of Freifunk, I am suggesting that the future of wireless community networks lies in the notion of the Network Commons. http://www.thenextlayer.org/node/1323

Freifunk zusammen weiterdenken und -entwickeln – Bericht eines erfolgreichen WCW 2015

Freifunk -

Grillbuffet zum WCW

Das 11. Wireless Community Weekend, die wichtigsten Zusammenkunft deutschsprachiger Freifunk Gruppen, war ein voller Erfolg. Mehr als 70 Teilnehmer aus Deutschland und Europa haben sich eingefunden. Viele haben die Gelegenheit und den Feiertag genutzt, den OpenTechSummit zu Himmelfahrt zu besuchen und waren am Freitag schon zeitig in der c-base. Wir konnten viele alte Hasen und neue Gesichter begrüßen. Es war einfach schön, viele VertreterInnen aus neuen Communities zu sehen.Das Wetter hat der Stimmung keinen Abbruch getan, die entspannte Atmosphäre und interessante Vorträge sorgten für ein tolles Wochenende mit vielen produktiven Ergebnissen und lebhaften Diskussionen, wie auch das Feedback auf Twitter zum WCW zeigt.

Im Fokus des WCW 2015 standen auch die Themen Technisches, politische Rahmenbedingungen sowie Zusammenhalt und – arbeit innerhalb von Freifunk:

Technik

Federico von ninux.org aus Italien hat uns in seinem Vortrag NetJSON vorgestellt. Mit NetJSON kann man Netzwerke und Netzwerktopologien abbilden. Diese Informationen nutzt man bei ninux.org für Monitoringsysteme und Kartendarstellungen. Von Megfault und Beseb wurde uns Castor als Konzept für ein neues Routingprotokoll gezeigt. Hier sind Entwickler gefragt, die dieses Protokoll implementieren möchten und Lust auf Experimente haben. Spontan ließ sich Elektra zu einem Lightning Talk hinreißen, in dem sie über ihre Forschung zur Verwendung von TV Whitespace (aka Digitale Dividende) für Freifunk berichtete. Elektra hat dafür Hardware angepasst und in Berlin Friedrichshain Teststrecken aufgebaut. Zusätzlich gab es Workshops zur Visualisierung der Daten aus der Freifunk API, zum schnellen und effizienten Flashen von Routern. Natürlich wurde auch viel gehackt. Als Resultat dessen konnte in der Nacht zum Sonntag der Release einer neuen stabilen Version von Gluon 2015.1 verkündet werden.

(Politische) Rahmenbedingungen

Reto hat den WCW-Teilnehmern einen umfassenden Einblick in die Debatte um Störerhaftung beschert. Diverse Freifunker haben über den Umgang mit Kommunen und öffentlichen Stellen bei dem Ausbau von Freifunk diskutiert und Erfahrungen ausgetauscht. Eine große und umfassende Diskussion “Freifunk und Kommerz” hat den Anstoß zu der Debatte um die kommerziellen Nutzung und Verwendung von Freifunk als Marke im kommerziellen Umfeld geleistet. Im Vortrag der Initiative EDN wurde die Vision eines dezentralen und unabhängigen Netzwerks mit Ende-zu-Ende verschlüsselten Diensten vorgestellt.

Zusammenhalt und -arbeit

Communitykarte zum Anfassen

In einer großen Runde wurde die erste Version des Memorandum of Understanding vorgestellt, ein grundsätzliches Stimmungsbild abgefragt und gemeinsam über den Inhalt des MoU debattiert. Auch die Gründung des Advisory Councils erfolgte auf dem WCW. Dabei wurde noch mal das Konzept vom Council vorgestellt und kritisch diskutiert.

Abschließend soll auch die Verlosung einer TP-Link-Hardwarespende unter den Communities erwähnt werden und natürlich die vielen Diskussionen am Grill. Für viele bedeutete das WCW, zu Emailadressen oder Nicknames endlich ein Gesicht zuordnen zu können. Am Freitag Abend sorgten DJs mit angenehmer Musik für eine chillige und entspannte Stimmung.

Informationen und Folien zu den Vorträgen sind im Wiki zu finden.

Wir wünschen allen Freifunker_innen viel Spaß und Erfolg bei der Umsetzung der neu gewonnenen Ideen und freuen uns auf ein Wiedersehen auf den nächsten Treffen der Freifunk Community:

  • BattlemeshV8 – Internationales Treffen der Wireless Communities vom 3.8.-9.8.2015 in Maribor/Slowenien
  • ChaosCommunicationCamp – Freifunk Hacker Village vom 13.8.-16.8.2015 im Ziegeleipark Mildenberg

Wir bedanken uns bei der c-base, den Organisatoren, allen unterstützenden Vereinen und Spendern und all den Menschen, die am Grill standen, anders geholfen haben und einkaufen gegangen sind.

Memorandum of Understanding

Freifunk Blog -

Freifunk ist nach über 10 Jahren sehr erfolgreich, bekannt und verbreitet. Wir sehen jedoch die ursprünglichen Ideen und Ziele von Freifunk nicht (mehr) von allen Communities bzw. Communitymitgliedern berücksichtigt. Es geht uns nicht darum, Communities auszuschließen, die sich mit dem hier formulierten Selbstverständnis nicht identifizieren. Wir sind aber an einer grundsätzlichen Auseinandersetzung über das interessiert, was wir hier unter dem Label Freifunk gemeinsam tun. Dieser Textentwurf wurde von einer Gruppe aus dem direkten Umfeld des Fördervereins Freie Netzwerke e.V. verfasst. Er ist als Verständigungsgrundlage gedacht und soll alle Communities dazu ermutigen, die angesprochenen Punkte zu reflektieren. Wozu machen wir Freifunk? Welche Ideen stecken dahinter? Welche Ziele verfolgen wir? Nach welchen Prinzipien entscheiden und handeln wir? Das Ziel dieses Textes ist es, ein Verständnis zu entwickeln, das alle Individuen und Gruppen, die unter dem Label Freifunk agieren, verbindet.

Präambel

Freie (Funk-)Netze werden von vielen lokalen Initiativen aufgebaut und angeboten. Die Benutzer*innen sind auch gleichzeitig die Betreiber*innen der Computernetzwerke. Sie schaffen ein "Selbstmachnetz", indem sie Wohnungen, Häuser, Straßenzügen, Stadtteile, Dörfer oder ganze Städte selbst vernetzen. Ein Freifunk-Netz ist dezentral aufgebaut und wird von vielen Individuen betrieben. Diese dezentrale Organisationsstruktur fördert bewusst lokale Aktivitäten, statt sie von einer übergeordneten Entität steuern lassen zu wollen. "Frei" bedeutet dabei, diese Netze öffentlich und anonym zugänglich zu machen, sie nicht kommerziell zu betreiben oder auszuwerten und die darin transportierten Informationen nicht einzusehen, zu verändern oder zu zensieren. Obwohl sich Freifunk vorrangig auf WLAN-Netze bezieht, ist der Begriff "Freie Netzwerke" breiter zu sehen. Er orientiert sich unter anderem an der freenetworks.org Definition.

Bei aller Dezentralität halten wir es für sinnvoll und wichtig, uns über die Grundsätze und Prinzipien des Projektes Freifunk einig zu sein, damit wir gemeinsam agieren und uns in unserem Handeln gegenseitig unterstützen können.

 Ziele von Freifunk

Obwohl die Nutzung technischer Netzwerke für sehr viele Menschen längst zum Alltag geworden ist, werden die dahinter liegenden Macht- und Wirkmechanismen unserer Meinung nach häufig nicht ausreichend reflektiert. Freifunk hat sich unter anderem zum Ziel gesetzt, ein Bewusstsein für diese Zusammenhänge in der Gesellschaft zu entwickeln, den freien Zugang zu öffentlichen Netzwerken zu fördern und dabei Anregungen für ein selbstbestimmtes Handeln zu geben. Dabei wollen wir die Bedürfnisse unterschiedlicher gesellschaftlicher Gruppen einbeziehen. Diversität und ein breites Spektrum an Ideen verstehen wir als wichtige Grundlagen, um diese Ziele zu erreichen. Wir möchten alle Teilnehmenden (User*innen/Knotenbesitzer*innen) ermutigen, selbst Hand anzulegen und sie dabei unterstützen, sich mit der Materie vertraut zu machen. Uns ist bewusst, dass dies ein aufwändiger Lernprozess ist. Wir möchten aber vermeiden, dass sich (Wissens-)Hierarchien dadurch fortsetzen und verstärken, dass sich Teilnehmende im Freifunknetz einfach “beliefern” lassen wollen. Unserer Ansicht nach führt dies nämlich mit dazu, dass die Grundideen des Selbstmachnetzes verloren gehen.

Als Freifunker*innen beteiligen wir uns am politischen Prozess, um die rechtlichen Voraussetzungen für freie Netze zu schaffen. Die Freifunkbewegung ist dabei überparteilich.

 Prinzipien von Freifunk

Es ist unser Anliegen, das soziale Community-Building und die technische Umsetzung freier Netze in den Communities nach ähnlichen Prinzipien zu gestalten: dezentral, mit möglichst wenigen/flachen Hierarchien und dennoch abgesprochen.

Viele unserer Prinzipien wurden bereits an anderen Stellen formuliert. Als Freifunker*innen bekennen wir uns zu den folgenden bereits existierenden Dokumenten:

 

Technische Prinzipien

Das Pico Peering Agreement ist die Grundlage unserer Netzwerke. Folgende Grundsätze machen für uns ein freies Netz aus:

  • Unsere Knoten bilden untereinander ein Maschennetzwerk. Mit Freifunk-Netz meinen wir dieses vermaschte Netz, das zwischen den Routern entsteht. Es endet dort, wo das Internet beginnt, also dort, wo ein Router den Datenverkehr ins Internet leitet. Und es endet dort, wo das private Heimnetz beginnt.

  • Wir gestalten unsere Netze offen und öffentlich: Alle können eigene Knoten betreiben und dadurch das Netz erweitern.

  • Unser Netz ist anonym zugänglich, weder Nutzer*innen noch Knotenbetreiber*innen sollen sich registrieren oder anmelden um mitzumachen.

  • Unser Netz ist nicht kommerziell.

  • In unserem Netz wird nicht zensiert.

  • Wir halten uns an das Fernmeldegeheimnis.

  • Datenschutz und Datensparsamkeit: Wir speichern weder Verbindungs- noch Bestandsdaten. Wir speichern keine personenbezogenen Daten. Die Angabe von Emailadressen zur Kontaktaufnahme und Geokoordinaten zur Darstellung auf der Karte ist freiwillig.

  • Die Nutzer*innen sind selbst für Ende-zu-Ende-Verschlüsselung ihres Traffics und für Anonymisierung verantwortlich.

 

Wir achten bei der Gestaltung unserer Netze auf Dezentralität. Deshalb ist es nicht in unserem Sinne, dass eine kleine Admingruppe oder Einzelpersonen per Fernzugriff die Kontrolle über ein ganzes (Teil-)Netz haben. Die Knotenbetreiber*innen haben die Wahl, sich für Fernwartung zu entscheiden. Eingriffe in die Knoten, z.B. Firmwareupdates oder andere Fernwartungsarbeiten, müssen immer mit dem ausdrücklichen Einverständnis der jeweiligen Betreibenden geschehen. Knotenbetreiber*innen können sich ferner entscheiden, ob sie auch Internetzugang bereitstellen wollen, sei es für die Teilnehmenden im Meshnetz, sei es für die Öffentlichkeit. Es ist uns dabei wichtig, dass Freifunk nicht in erster Linie als “Provider für kostenlosen Internetzugang” wahrgenommen wird. Entscheidungen über Releases werden in den lokalen Communities gemeinschaftlich getroffen.

Die Firmware für unsere Knoten basiert auf freier Software. Weiterentwicklungen veröffentlichen wir ebenso als FLOSS. Durch eine möglichst gute Dokumentation sollen Betreiber*innen in die Lage versetzt werden, die Firmware selbst weiterzuentwickeln oder Anregungen zur Verbesserung beizusteuern. Die Offenheit schafft Vertrauen in die Software.

Soziale Prinzipien

Ein angenehmes soziales Klima ist uns in unseren Communities wichtig. Bei Freifunk wollen wir erreichen, dass sich Menschen unabhängig von Geschlecht, sexueller Orientierung, Herkunft, Glauben, Aussehen, Alter und anderer (tatsächlicher oder zugeschriebener) Merkmale in den Communities einbringen und wohlfühlen können. Der Umgang miteinander soll respektvoll sein; neue Interessierte sind uns stets willkommen. Wir dulden keinerlei Diskriminierungen. Das bedeutet für uns: Wir haben weder Platz für Nazis, noch für Rassismus, Sexismus oder andere Formen von menschenverachtendem Verhalten.

"Mitmachen", das kann nach unserem Verständnis mindestens alles Folgende bedeuten: Freie Netze nutzen und selbst (mit)betreiben, sich in lokalen Communities sozial vernetzen, in der lokalen oder überregionalen Freifunk-Gemeinschaft mit den jeweils eigenen Fähigkeiten aktiv werden. Mitmachen beschränkt sich keinesfalls auf technische Fähigkeiten. Alle Formen von Engagement sind explizit willkommen und werden als Beitrag zur Community begriffen.

Wir sind uns bewusst, dass in unseren Communities auch Machtfragen auftauchen: Macht, Machtzuschreibung und Machtausübung werden sowohl durch zentralistische soziale, als auch durch zentralistische technologische Strukturen begünstigt. Dies ist einer der Gründe, weshalb wir nach dem Prinzip der Dezentralität arbeiten. Auch mit dem ungleich verteilten technischen Fachwissen können Machtfragen verbunden sein. Uns ist es wichtig, verantwortungsvoll damit umzugehen, Machtverhältnisse zu thematisieren und - wo möglich – abzubauen. Das möchten wir durch größtmöglichen Wissenstransfer und dezentrale Strukturen erreichen.

Umgang mit Informationen und Wissen

Wir wollen lernen, Netze zu bauen und zu betreiben, statt sie von "Expert*innen" hingestellt und gewartet zu bekommen. Wir nennen das Selbstmachnetz. Wir wollen Menschen befähigen und ermutigen, sich aktiv in die Gestaltung von Infrastruktur einzubringen und die Auswirkungen von Technik auf die Gesellschaft zu erforschen und zu gestalten. Wir fördern das Verständnis von Netzwerken und Netzwerktechnik ("Network/Code Literacy"), deshalb geben wir unser Wissen jederzeit weiter und machen nicht nur Code verfügbar. Wir experimentieren und forschen mit unserer Infrastruktur, deshalb gibt es keinen Anspruch auf permanente Verfügbarkeit.

Selbstmachnetze zu entwickeln ist ein Prozess. Uns ist bewusst, dass wir in diesem Prozess nicht alle Ziele immer gleichermaßen erreichen. Daher hinterfragen wir uns regelmäßig kritisch, ohne uns dabei anzufeinden. Das Lernen und Verbessern sozialer und technologischer Strukturen steht für uns im Vordergrund.

Organisationsformen

Eine Freifunk-Community ist im einfachsten Fall ein loser Zusammenschluss mehrerer Individuen. Lokale Vereine können die Gruppe unterstützen, z.B. beim Spendensammeln oder Abschließen von Verträgen. Die Gründung eines eigenen Vereins ist für Freifunk keine Voraussetzung. Veränderungen werden von allen Aktiven gemeinschaftlich beschlossen, nicht nur von Mitgliedern eines Trägers oder Vereins.

 

Für die wenigen community-übergreifenden Entscheidungen gründen wir den Beirat "Freifunk Advisory Council", eine Vertretung von Community-Mitgliedern aus den unterschiedlichen Bundesländern. Dieses Gremium kann bei Konflikten zwischen Communities hinzugezogen werden.

Die Quellen sind auf github zu finden: https://github.com/freifunk/MoU

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